Der Grundgedanke: Kinder bauen ihre "Exponate" selbst

In der Erlebnisausstellung stellen die Kinder an drei Hör-Spiel-Stationen in Kleingruppen eigene Exponate zur Luthergeschichte aus Figuren, Bau- und Landschaftselementen her. Lehrkräften und Leiter/innen wird empfohlen, die Werke der Kinder zu fotografieren, um später damit weiterarbeiten zu können. Da jede Gruppe/Klasse wieder neue Werke baut, kann auch ein späterer Vergleich der unterschiedlichen Interpretationen interessant sein.

 

An der Stempel-Station erfahren die Kinder das Prinzip des Schriftsatzes, indem sie ihren Namen mit hölzernen Buchstaben-Stempeln und Stempelkissen auf Papier stempeln.

 

Jedes Kind fertigt unter Anleitung an einer Gutenbergpresse (Nachbau in kindgerechter Größe) einen schnelltrocknenden Druck auf hochwertiges Papier an, den es in einer Faltmappe mit nach Hause nehmen kann.

(Fast alle) Exponate zum Anfassen

Die Ausstellung verfügt über einige weitere Exponate, die zum besseren Verständis der Luthergeschichte beitragen. Bis auf wenige Ausnahmen (z.B. das handgeblasene Tintenfass) dürfen und sollen die Kinder diese Exponate anfassen.

 

Neues Testament als Beutelbuch (Faksimile). Für Mönche und Ordensleute war es praktisch, ihren Lesestoff bei der Arbeit und auf Reisen bei der Hand zu haben. Für adlige Frauen war es eine Kostbarkeit, ein ausgemaltes Stundenbuch, Lieder- oder Gebetbüchlein schmuckhaft am Gürtel zu tragen. Durch die Reformation wurde es gebräuchlich, das Neue Testament als Beutelbuch zu tragen. Im 16. Jahrhundert endete ihre Gebrauchsform. Heute sind nur noch etwa zwei Dutzend Original-Beutelbücher erhalten und lagern in verschiedenen Bibliotheken.

 

Septembertestament (Faksimile). In nur 11 Wochen übersetzte Martin Luther auf der Wartburg das Neue Testament (2. Teil der Bibel) in die deutsche Sprache. Seine Übersetzung erschien im September 1522 und wird daher auch Septembertestament genannt. Wegen der hohen Gefahrenlage – über Luther war die Reichsacht verhängt worden, sodass er vogelfrei war – nennt das Titelblatt weder den Namen des Übersetzers noch des Druckers, wie es in späteren Ausgaben üblich war.

 

Lutherbibel von 1534 (Faksimile). Exakt zwölf Jahre nachdem Luthers Übersetzung des Neuen Testaments erschienen war, war die Übersetzung der ganzen Bibel fertig. Maßgeblich unterstützt wurde Luther dabei von Philipp Melanchthon. Trotz ihres relativ hohen Preises war die erste Auflage von 3.000 Exemplaren sehr rasch vergriffen, sodass in den Folgejahren mehrere unveränderte Nachdrucke veröffentlicht wurden.

 

Luthers Ärgernis: Ablassbrief von 1517 zur Finanzierung des Petersdom-Neubaus in Rom (Faksimile). Das Original befindet sich in der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel. Der Name des Käufers "Adam Rost" und der Betrag "06" sind auf dem Brief gut zu lesen. Als Siegel wurde im Faksimile eine Münze von 1643 verwendet.

 

Seite aus der 42-zeiligen Gutenberg-Bibel (Faksimile). Diese Bibel war das erste mit beweglichen Lettern gedruckte Buch. Es wurden schätzungsweise 200 Exemplare hergestellt. Die Bibel bestand aus 2 gewaltigen Bänden mit insgesamt 1282 Seiten. An ihrem Druck arbeiteten 6 Schriftsetzer und 6 Drucker etwa 3 Jahre.

 

Seite aus der 36-zeiligen Bibel (Faksimile). Gutenberg verlor einen Gerichtsprozess gegen seinen Geldgeber Fust und damit einen Teil seiner Werkzeuge, Lettern und Pressen an diesen. Seinen ersten Typenapparat mit der sogenannten "Donat-Type" hatte er aber nicht verpfändet. Es ist daher anzunehmen, dass Gutenberg nach dem verlorenen Prozess mit diesen alten Lettern die 36-zeilige Bibel druckte. Es ist wahrscheinlich das dritte mit beweglichen Lettern gedruckte Buch.

 

Flugschrift Luthers "Sendbrief vom Dolmetschen" (Faksimile). Flugschriften spielten eine entscheidende Rolle für die Reformation. Die Flugschriften waren nicht kostenlos. Verfasser und Drucker verdienten häufig gut daran. Da es kein Urheberrecht gab, wurden von vielen Druckern Luthers Schriften innerhalb kürzester Zeit nachgedruckt.

 

Als Winkelhaken bezeichnet der Schriftsetzer eine verstellbare Lehre zum Zusammensetzen einer Zeile aus Bleisatz-Lettern für den Hochdruck (auch: Buchdruck). In der Fach- und Umgangssprache der Schriftsetzer wird der Winkelhaken „Kelle“ genannt.

 

Tintenfass und Pergament. Geschrieben wurde im Mittelalter mit dem Gänsekiel. Eine Gänsefeder (oder andere Feder) wurde zugeschnitten. Als Schreibmaterial diente Pergament. Es wurde aus Tierhäuten von Kalb, Ziege oder Schaf hergestellt, indem sie 3 Tage in Kalkwasser gelegt wurden. Dann wurde die Haut aufgespannt und auf beiden Seiten abgeschabt, danach ließ man sie trocknen. Ablassbriefe wurden auf Pergament gedruckt und waren eine wichtige Einnahmequelle der Buchdrucker. Im Verlauf des 13. Jahrhunderts setzte sich langsam das Papier durch, das als chinesische Erfindung durch die Araber über Spanien nach Europa gelangte. 

 

Miniaturausgabe des Johannes-Evangeliums, das sich nur mit einer Lupe lesen lässt. Als während des Kalten Krieges viele Christen in der Sowjetunion inhaftiert waren, benutzten sie Mini-Bibeln bzw. -Bibelteile im Gefängnis. Tauchte beim Lesen ein Wärter auf, konnten sie das Mini-Buch in ihre Kaffeetasse fallen lassen und später wieder herausholen.

 

Laute. Martin Luther schrieb 36 Lieder, darunter das bekannte Lied "Ein´ feste Burg ist unser Gott". Eine Kinderfassung dieses Lieds von G. Cochlovius im Rahmen der Ausstellung gesungen werden – begleitet auf der Laute.

 

Besitzen Sie interessante Exponate, die Kinder anfassen dürfen und die ihnen helfen, die Geschichte Martin Luthers besser zu verstehen? Wenn ja, würde ich mich sehr freuen, wenn Sie mit mir Kontakt aufnehmen! Ihr G. Werner

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